Die Seehundstation Nationalpark-Haus ist eine anerkannte Betreuungsstation für Meeressäuger. Zwischen 80 und 150 verwaiste Seehunde und vereinzelt auch Kegelrobben werden jährlich aufgezogen und in die Nordsee zurückgebracht. Die Station ist zuständig für das gesamte Niedersächsische Wattenmeer, das als Nationalpark, Biosphärenreservat und Weltnaturerbe besonderen Schutz genießt.

In der Seehundstation Nationalpark-Haus sind auch Leica Geovid Ferngläser im Einsatz. Die Mitarbeiter nutzen sie, um Sandbänke abzusuchen, die Heuler und deren Fundorte zu kontrollieren. Denn für die Basisaufgabe der Seehundstation, der Rehabilitation und Aufzucht verwaister Seehund-Jungtiere, ist beim Fund eines Tieres die individuelle Kontrolle des Fundortes enorm wichtig: Wie groß ist die Distanz zum Tier? Wie weit ist der nächste Priel entfernt? Wie ist das äußere Erscheinungsbild des Tieres? Mit dem Leica Fernglas Geovid 8×42 R stehen die notwendigen Informationen effizient und schnell zur Verfügung.

 Der Leiter der Seehundstation Nationalpark-Haus, Dr. Peter Lienau, spricht über die Aufgaben seiner Einrichtung und die schönste Zeit im Seehund-Jahr.

Was sind die Aufgaben der Station?
Dr. Peter Lienau: Wesentliche Aufgabe der Seehundstation ist die Rehabilitation und Aufzucht verwaister Jungtiere, die zunächst in einer eigenen Quarantänestation im Waloseum betreut werden. Über 70 ehrenamtliche Mitarbeiter, zumeist Wattenjagdaufseher, unterstützen die Arbeit der Station. Tierpfleger, Bundesfreiwilligendienstleistende sowie etwa 20 Praktikanten jährlich versorgen die hilflos aufgefundenen Tiere. Eine ständige tierärztliche Betreuung ist gewährleistet.

Was sind die Gründe dafür, dass manche Seehundbabys plötzlich allein sind?
Dr. Peter Lienau: Durch menschliche Störungen, Wettereinflüsse oder sehr selten durch den Tod der Mutter kommt es vor, dass junge Seehunde alleine zurück bleiben. Dem lauten Klagen, mit dem diese verwaisten Jungtiere nach ihrer Mutter rufen, verdanken sie ihren Namen „Heuler“.

Wieviele Heuler kommen pro Jahr zu Ihnen?
Dr. Peter Lienau: 2018 wurden erneut so viele Tiere eingeliefert wie im vergangenen Jahr – nämlich 160 Seehunde. 2017 waren es 163 Tiere. Diese Zahlen lassen signifikant darauf schließen, dass Störungen durch Menschen ursächlich für die Trennung von Mutter- und Jungtier sind. Das dauerhaft gute Wetter und lange Wochenenden zu Beginn des Sommers haben zahlreiche Erholungsuchende and die Strände und ins Wattenmeer – somit in das Wohn- und Schlafzimmer, bzw. Die Kinderstube der Seehunde gelockt. Durch wiederholte Störungen können die Jungtiere nicht ausreichend gesäugt werden und genügend Kraft- und Fettreserven ansammeln, bzw. verbrauchen durch flucht ins Wasser und Schwimmen zusätzliche Energie.

„Die Schönste Zeit“ beginnt – diese Überschrift findet man derzeit auf der Website der Seehundstation. Was ist damit gemeint?
Dr. Peter Lienau: Die Auswilderungsphase, das ist die schönste Zeit in der Seehund-Saison. Am 9. August konnten wir die ersten Heuler in die Freiheit entlassen. „Benny“, „Stöpsel“, „Pünktchenlotte“ und „Elfriede“ haben ihr Auswilderungsgewicht von mindestens 25 Kilogramm erreicht. Nach durchschnittlich 49 Tagen in der Seehundstation waren sie bereit, um wieder in die freie Wildbahn entlassen zu werden.

 

Wie läuft eine Auswilderung ab?
Die Tiere werden regelmäßig gewogen. Haben sie einmal 25 Kilogramm erreicht, sind sie in der Regel stark genug und werden zur Auswilderung frei gegeben. Dazu greifen die Tierpfleger sie vorsichtig an den Hinterläufen und heben sie in einen geflochtenen, luftdurchlässigen Korb. In diesem bekommen sie genug von der Außenwelt mit, um keine Angst beim Transport von der Seehundstation zum Schiff in Neßmersiel zu haben. Auch auf dem Schiff bleiben sie zunächst in den Boxen.

Etwa eine halbe Stunde dauert die Fahrt an einen Strand von Norderney. Dort warten schon viele Seehunde auf die Neuankömmlinge. Am Strand öffnen die Mitarbeiter alle Körbe gleichzeitig. Ein grandioses Spektakel für die mitgereisten Tierfreunde auf dem Schiff, die die Auswilderung mit Ferngläsern und Kameras begeistert mitverfolgen. Die Seehunde kennen das neue sandige Terrain noch nicht und sind deshalb oft zunächst etwas vorsichtig unterwegs. Nach einem kurzen Moment beginnt dann aber ein fröhlicher Wettlauf Richtung Wasser. Einmal drin im kühlen Nass, spüren die Tiere sofort das Gefühl der Freiheit. Die Tierschützer der Seehundstation Norddeich freuen sich jedes Mal wieder neu mit ihren Schützlingen: „Mission erfüllt!“

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